Das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) - neudeutsch auch Zappelphilippsyndrom - wird in Deutschland verstärkt mit Pharmazeutika vorwiegend aus der Gruppe der Methylphenidate behandelt. Eine Auswertung des BKK Landesverbandes Bayern auf Basis von 2,3 Millionen Versichertendaten aus Bayern zeigt, dass an knapp drei Prozent der Kinder bis 19 Jahren Ritalin oder wirkungsgleiche Präparate verordnet wurden. Bedenklich ist, dass zahlreiche Rezepte auch von ADHS-fachfremden Medizinern, wie Lungenärzten, Frauenärzten, Nuklearmediziner und anderen ausgestellt wurden. Die höchsten Verordnungsraten von ADHS-Medikamenten fallen laut der BKK-Auswertung mit einem Anteil von knapp 60 Prozent bei den 10 bis 14-Jährigen an. Aufgrund einer höheren Dosierung mit zunehmendem Alter sind aber die durchschnittlichen Kosten mit 630 Euro pro Jahr bei den 15 bis 19-Jährigen am höchsten.
„Für uns sind diese Zahlen erschreckend, denn Methylphenidate bergen zum einen eine Abhängigkeitsgefahr zum anderen sind medikamentös bedingte Begleiterkrankungen, wie Herz- und Blutdruckprobleme sowie psychiatrische Störungen, noch zu wenig erforscht“, erklärte Werner Rychel, Vorstand des BKK Landesverbandes Bayern, heute auf einer Fachtagung des Bayerischen Sozialministeriums zum Thema ADHS im Vorschulalter.
Im Rahmen des regulären gesetzlichen Vorsorgekatalogs ist ADHS als expliziter Untersuchungsgegenstand nicht vorgesehen. Der BKK Landesverband Bayern arbeitet deshalb an einem erweiterten Kinder-Vorsorgeprogramm, das die Diagnose und Therapie von ADHS einbezieht. „Dadurch wollen wir sicherstellen, dass von den behandelnden Kinder- und Jugendärzten, den Psychotherapeuten und Kinderpsychiatern die sprechende Medizin als echte Alternative zur medikamentösen Behandlung gesehen wird“, begründete Rychel die BKK-Initiative.
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